
Bürgerkarte soll bis
2005 Behördengänge ersparen
Finanzministerium will
Smartcard als Schnittstelle zwischen Bürger und Verwaltung
Wien (pte, 24. Oktober 00/15:31) - Die E-Government-Initiative der Bundesregierung sieht vor, bis 2005 alle Amtswege auch in elektronischer Form abwickeln zu können. "Schon in drei Jahren sollen alle Zugänge zu den wichtigsten Diensten der Verwaltung online möglich sein", erklärte Arthur Winter, Leiter der IT-Sektion im Finanzministerium http://www.bmf.gv.at anlässlich des ISP-Kongresses 2000 in Wien. Das Internet soll dabei die zentrale Schnittstelle zwischen Bürger und Verwaltung sein.
Neben den bereits bestehenden Schlüsselprojekten wie etwa help.gv.at http://www.help.gv.at , der E-Business-Initiative im Wirtschaftsministerium, E-Learning im Bildungsbereich oder das Rechtsinfosystem nannte Winter die Entwicklung der Bürgerkarte als weiteren wesentlichen Schritt im E-Government. "Wir müssen weg von der Information, hin zur Transaktion", so der Beamte, "durch die Bürgerkarte könnte alles von einer zentralen Stelle abgewickelt werden". Als Beispiel nannte Winter die Ausstellung eines Reisepasses, die theoretisch überall in Österreich erfolgen könnte, wenn die Daten verfügbar wären.
"Nur die Papierlastigkeit der Dokumente zwingt zur Örtlichkeit", so Winter, eine Bürgerkarte könne beispielsweise auch ein One-To-One-Marketing zwischen Verwaltung und Bürger ermöglichen. So müsse etwa eine elektronische Steuererklärung nicht jedesmal neu ausgefüllt werden, wenn die Daten bereits in einer Vorlage vorhanden wären. Bei Ablaufen eines Passes könnte das System den Passinhaber via E-Mail rechtzeitig verständigen. Ziel sei es, dass niemand mehr persönlich etwa aufs Finanzamt muss.
Der Leiter der IT-Abteilung im Finanzministerium sprach sich allerdings gegen eine Koppelung der Bürgerkarte mit anderen Anwendungen wie etwa Sozialversicherung oder als Transportmedium für unterschiedlichste Daten wie z.B. Mobiltelefonie: "Ich glaube, die Bürgerkarte sollte eine Chipkarte mit eindeutiger Identifikation des einzelnen sein, um ihn Transaktionen via Internet ermöglichen zu können." Ein wichtiger Punkt sei dafür der Ausbau der sicheren digitalen Signatur. Diese dürfe für den Anwender nicht zu kompliziert sein. Eine Entscheidung, wann die Bürgerkarte eingeführt wird, soll es in den nächsten Monaten geben. Wie schwer es ist, neue Technologien in den Verwaltungsapparat zu implementieren, schildert Winter an einem Vorfall, wonach sich jemand beim Amt beschwerte, lange Zeit keine Antwort auf seine E-Mail-Anfrage zu erhalten. Reaktion der Beamten: "Per Gesetz hat jedes Amt sechs Monate Zeit, auf Anfragen zu antworten."